Bieten wie die Profis: eine Checkliste für Auktionen
Obergrenze festlegen, das Kleingedruckte lesen, die richtigen Fragen stellen: eine ruhige Checkliste für Erstbieter und gelegentliche Bieter bei Schmuck-, Uhren- und Kunstauktionen.

Professionelle Bieter sind selten die aufgeregtesten Menschen im Saal. Ihre Ruhe verdanken sie der Vorbereitung in den Tagen vor der Auktion. Diese Checkliste folgt derselben Reihenfolge wie sie, vom Festlegen des Budgets bis zur Abholung des Loses. Am Auktionstag bleibt Ihnen dann nur noch eine Entscheidung: wann Sie aufhören.
Vor der Auktion: Ihre echte Obergrenze festlegen
Der Zuschlagspreis ist nur ein Teil dessen, was Sie bezahlen. Legen Sie vor Beginn der Auktion eine Obergrenze fest, die Aufgeld, Steuern, Versand, Versicherung und etwaige Einfuhrabgaben einschließt. Rechnen Sie dann zurück, um den höchsten Zuschlagspreis zu ermitteln, den Sie akzeptieren können.
Machen Sie diese Rechnung auf Papier, nicht im Kopf während des Bietens. Das Aufgeld wird als Prozentsatz des Zuschlagspreises berechnet und ist meist gestaffelt, und die Nebenkosten zusammen können die Endrechnung spürbar erhöhen. Ein Los, das beim Zuschlag erschwinglich wirkt, kann auf der Rechnung ganz anders aussehen.
Notieren Sie Ihre Zuschlagsgrenze neben der Losnummer in Ihrem Katalog. Wenn Sie auf mehrere Lose bieten, entscheiden Sie im Voraus, ob ein gewonnenes Los Ihre Grenze für die anderen verändert, und ob Sie auch damit zufrieden wären, keines zu ersteigern.
Hilfreich ist auch ein Blick auf frühere Ergebnisse für ähnliche Objekte. Die meisten Häuser veröffentlichen die bei früheren Auktionen erzielten Preise, und einige vergleichbare Beispiele zeigen Ihnen, ob ein Schätzpreis eher vorsichtig oder ehrgeizig angesetzt ist. Nutzen Sie sie als Orientierung für Ihre Obergrenze, nicht als Grund, sie anzuheben.
Die Versteigerungsbedingungen lesen
Jedes Auktionshaus veröffentlicht , und sie bilden den Vertrag zwischen Ihnen und dem Haus. Lesen Sie sie, bevor Sie sich registrieren, nicht erst nach dem Zuschlag. Achten Sie besonders auf folgende Punkte.
- Zahlungsfristen und akzeptierte Zahlungsarten
- Die Sätze des Aufgelds und die Berechnung der Steuern
- Lagergebühren und der Tag, ab dem sie anfallen
- Die Echtheitsgarantien des Hauses und wie lange sie gelten
- Regeln zu Ausfuhr und Einfuhr sowie erforderliche Genehmigungen
Die Garantien verdienen besondere Aufmerksamkeit. Sie erklären, was Sie tun können, wenn sich ein Los als etwas anderes erweist, als der Katalog angab, und unter welchen Bedingungen Sie es zurückgeben können. Wer das vorher weiß, bietet mit mehr Zuversicht. Verwendet der Katalog Begriffe, die Sie nicht verstehen, steht die Erklärung meist gleich neben den Bedingungen, und ein kurzer Anruf in der Fachabteilung klärt, was dann noch offen ist.
Einen Zustandsbericht anfordern
Katalogfotos schmeicheln naturgemäß. Ein , den Sie bei der Fachabteilung anfordern können, beschreibt Abnutzung, Reparaturen und ersetzte Teile in klaren Worten. Die Anfrage kostet nichts, und die Experten sind es gewohnt, detaillierte Fragen zu beantworten.
Fragen Sie bei Uhren, ob das Werk geprüft wurde und ob Zifferblatt, Zeiger, Krone und andere Teile original sind. Fragen Sie bei Edelsteinen, ob Laborberichte vorliegen, denn sie dokumentieren Identität und etwaige Behandlungen. Fragen Sie bei Gemälden und Arbeiten auf Papier nach Restaurierungen und dem Zustand der Oberfläche.
Wenn möglich, besuchen Sie zusätzlich die Vorbesichtigung. Ein Objekt persönlich zu sehen, bei gutem Licht und in den eigenen Händen, beantwortet oft Fragen, die kein Bericht klären kann.
Rechtzeitig registrieren
Bei den meisten Auktionen ist die Registrierung schnell erledigt, aber nicht immer. Auktionshäuser verlangen mitunter einen Ausweis und Finanzreferenzen, besonders bei hochwertigen Losen, und diese Prüfungen können dauern. Wer bis zum Morgen der Auktion wartet, schaut womöglich nur zu, statt zu bieten.
Entscheiden Sie gleichzeitig, wie Sie bieten möchten. Sie können im Saal eine Bieterkarte nehmen, eine Telefonleitung mit einem Mitarbeiter vereinbaren, online bieten oder vorab ein hinterlegen. Wenn Sie online bieten wollen, melden Sie sich ein, zwei Tage vor der Auktion an und testen Sie die Plattform.
Am Auktionstag: Steigerungsschritte und schriftliche Gebote
Der Auktionator legt die Steigerungsschritte fest, also die Stufen, in denen der Preis steigt. Ein liegt oft bei etwa 5 bis 10 Prozent des aktuellen Gebots. Wer das weiß, kann abschätzen, wo das Bieten voraussichtlich endet und ob die eigene Grenze knapp über oder knapp unter einer Stufe liegt.
Wenn Sie ein schriftliches Gebot hinterlegen, bietet das Haus nicht einfach Ihren Höchstbetrag. Schriftliche Gebote werden gegen konkurrierende Gebote zum niedrigstmöglichen Preis ausgeführt, bis zu Ihrem Höchstbetrag. Interessiert sich sonst niemand für das Los, erhalten Sie den Zuschlag womöglich weit unter Ihrer Grenze.
Am Auktionstag bleibt Ihnen dann nur noch eine Entscheidung: wann Sie aufhören.
Bieten Sie im Saal deutlich und halten Sie Ihre Bieterkarte für den Auktionator sichtbar. Übersteigt der Preis Ihre notierte Grenze, legen Sie die Karte weg und lassen Sie das Los ziehen. Es wird immer andere Auktionen und andere Lose geben.
Wenn Sie telefonisch oder online bieten, halten Sie Katalog und notierte Grenze vor sich bereit und wählen Sie einen ruhigen Ort mit zuverlässiger Verbindung. Eine abgebrochene Leitung im entscheidenden Moment ist eine ärgerliche Art, ein sorgfältig vorbereitetes Los zu verlieren.
Nach dem Zuschlag: bezahlen, abholen, versichern
Mit dem Zuschlag beginnt der Papierkram. Bezahlen Sie innerhalb der Frist aus den Versteigerungsbedingungen und organisieren Sie dann zügig Abholung oder Versand. Die meisten Häuser berechnen nach einer festgelegten Frist Lagergebühren, und diese können sich schnell summieren.
Wenn das Los bei Ihnen eintrifft, vergleichen Sie es mit der Katalogbeschreibung und dem Zustandsbericht, bevor Sie die Unterlagen ablegen. Wirkt etwas anders, wenden Sie sich sofort an das Haus, denn die Versteigerungsbedingungen können Fristen für Beanstandungen vorsehen.
Versichern Sie das Los ab dem Moment, in dem es in Ihre Verantwortung übergeht; wann das ist, legen die Versteigerungsbedingungen fest. Bewahren Sie Rechnung, Katalogeintrag und einen etwaigen Zustandsbericht zusammen auf. Sie sind die ersten Seiten der Provenienz des Objekts in Ihrem Besitz, und eines Tages werden sie für jemand anderen wichtig sein.
Glossar
- Versteigerungsbedingungen
- Die von einem Auktionshaus veröffentlichten Bedingungen, die den Vertrag zwischen Käufer und Haus bilden.
- Steigerungsschritt
- Die Stufe, um die der Auktionator das Gebot erhöht, oft etwa 5 bis 10 Prozent des aktuellen Gebots.
- Zustandsbericht
- Die schriftliche Beschreibung eines Experten zu Abnutzung, Reparaturen und ersetzten Teilen eines Objekts, auf Anfrage erhältlich.
- schriftliches Gebot
- Ein vorab hinterlegtes Gebot, das gegen konkurrierende Gebote zum niedrigstmöglichen Preis ausgeführt wird, bis zu Ihrem Höchstbetrag.
Fragen unserer Leser
Was passiert, wenn ich einen Zuschlag erhalte und nicht zahlen kann?
Wer nicht zahlt, verstößt gegen die Versteigerungsbedingungen, die Sie mit der Registrierung akzeptieren, und welche Rechte das Haus dann hat, regeln eben diese Bedingungen. Lesen Sie diesen Abschnitt vor der Auktion, damit Sie Ihre Pflichten kennen. Am sichersten ist es, vorab eine realistische Obergrenze einschließlich aller Kosten festzulegen und nie darüber hinaus zu bieten, so aufregend der Moment auch sein mag.
Ist es besser, im Saal oder online zu bieten?
Keines von beiden ist an sich besser. Im Saal spüren Sie die Stimmung und sehen, wer bietet, während Sie online und telefonisch von überall teilnehmen können, was sich oft ruhiger anfühlt. Wählen Sie den Weg, der Ihnen hilft, bei Ihrer Grenze zu bleiben. Wofür Sie sich auch entscheiden, registrieren Sie sich früh und testen Sie einen Online-Zugang lange vor Beginn der Auktion.


